Humboldtforum Berlin

Team: TH Treibhaus, Anselm Von Held Lichtplanung & LAVALAND

BERLINER FREIHEIT - Raum für Veränderung

Statement
Das Humboldt-Forum wird auf einem Grundstück errichtet, das von der spannungsreichen Geschichte der Stadt Berlin zeugt. Das Ephemere und das Unvorhersagbare, welches in den letzten Dekaden den Ort um das Schloss geprägt hat, verstehen wir als urbane Qualität. Das Vergängliche spiegelt den Zeitgeist, dem wir an diesem Ort Raum schaffen wollen. Unter den Linden soll der mondäne Weltstadtboulevard Berlins bleiben. Zu diesem Weltstadt-Charakter gehört auch der Raum für Veränderung. Diese Qualität sehen wir nach dem schließen aller städtebaulicher Leerstellen an Unter den Linden und dem Fortzug der letzten verbliebenen Institutionen zeitgenössischer bildender Kunst am Ort gefährdet.
Zur Unterstützung der Vielfalt der Kultur auf Unter den Linden hoffen wir mit diesem Beitrag dem Sicht- und Spürbarmachen einer weltgewandten und zeitgenössischen Kulturschaffung Raum bieten zu können. Damit der Geist des Ortes in Zukunft zeitgenössisch bleibt, muss er sich wandeln können! Der ephemere Raum vor dem Humboldt-Forum muss für die Zukunft die jeweilige Zeit kommentieren.
„BERLINER FREIHEIT – Raum für Veränderung“ ist der Vorschlag einen städtebaulich/ landschaftsarchitektonischen Raum zu schaffen, der genügend Flexibilität und den nötigen Rahmen schafft um dem vollendeten Prachtboulevard die Möglichkeit der Veränderung zuzuführen. Diese Veränderung soll durch Kunstwerke internationaler Künstler geschaffen werden. Wider den Stillstand!
Entwurfsidee „BERLINER FREIHEIT“
Der Entwurf zur Aussenraumgestaltung der „BERLINER FREIHEIT“ basiert auf der Idee dem Vergänglichen eine solide Grundstruktur zu geben. Raum für ein ephemeres Volumen in der Achse zum Brandenburger Tor ist der Ideale Platz um die Reflektoren der Weltgesellschaft -die Künstler- zu Wort kommen zu lassen. Auf der Schlossfreiheit soll daher in regelmäßigem Turnus wechselnde Grossinstallationen von bildenden Künstlern Raum vor dem Humboldt-Forum einnehmen: Das Wechselvolumen.
Ziel ist es der Veränderung und dem Sichtbarwerden unterschiedlicher Gedanken Raum zu geben.
Konzept – „Veränderung“
Die Gestaltung des Raums der Veränderung soll in den Anfangsjahren durch einen partizipatorischen Prozess angeleitet werden. Eine Shortlist von internationalen Künstlern soll Basis für die Auswahl der Raumschaffenden leisten. Ein Bürgerbeteiligungsverfahren dazu oder ein Online-Forum können geeignet Medien der Entscheidungsbildung sein.
Städtebauliche Einbindung:
Das vorgesehene Wechselvolumen umgibt das gesamte Humboldt-Forum. Es kristallisieren sich allerdings zwei Fokusbereiche heraus, der Bereich im Süden zwischen Portal I und Portal II, und der Bereich im Norden zwischen Portal IV und Portal V. Dieser Bereich steht in exakter Achse zum Brandenburger Tor und wird somit Schwerpunkt der Ausstellung sein. So wird das Brandenburger Tor als das Symbol von Macht, Krieg, Besetzung und Teilung der Stadt mit den entstehenden Symbolen der Zukunft (Humboldt-Forum und Wechselvolumen) in Beziehung gesetzt.
Die räumliche Grundstruktur des landschaftsarchitektonischen Entwurfs basiert auf der nahtlosen räumlichen Einbindung des Umfeldes des Humboldt-Forums in die Umgebung. Die räumlichen Strukturen der primären Bezüge (Lustgarten, Unter den Linden aber auch das Marx-Engels-Forum und die Karl-Liebknechtstraße) werden aufgenommen und als Gehölzvolumen weitergeführt. Lustgarten und der nördliche Schlossplatz bilden somit eine spürbare räumliche Einheit. Dieses wird unterstützt durch eine grosszügige Strassenquerungszone für die Fussgänger. Der südliche Schlossplatz wird ebenfalls durch Baumkörper mit der angrenzenden Stadtstruktur verwoben. Das Spreeufer wird mittels einer Freitreppenanlage visuell mit dem östlichen Schlossplatz verbunden.
Die Wahrnehmung des Ortes durch den Besucher soll bis unmittelbar auf dem Platz selbstverständlich sein. Das Berlin-typische Gehwegmuster mit Charlottenburger Gehwegplatten wird konsequent über alle strassenbegleitenden Gehwegbereiche geführt.
Das unmittelbare Schlossumfeld wird über einen gusseisernen Rahmen markiert, der konsequent rings um das Humboldt-Forum geführt wird.
Räumliche Umsetzung
Vier strenge Baumhaine vollziehen den Schulterschluss über die Straßen indem sie räumliche Bezüge aufnehmen und fortführen. Sie markieren gleichzeitig die Ecken des Humboldt-Forums, spannen einen Raum auf und verleihen dem Schlossplatz sein Volumen.
Der Rahmen materialisiert sich als Gusseisernes Band, das den Straßenraum vom gesamten Schlossplatz trennt. Gleichzeitig ist dieser Rahmen beleuchtete Wasser- oder Nebelwand und stellt so zu besonderen Anlässen eine wirkungsvolle Raumgrenze dar.
Die Platzfläche ist homogen gehalten und bildet ein neutrales Tableau für das Forum, die Besucher und die künstlerischen Wechselvolumen die darauf entwickelt werden sollen.
Angebote
Baumhaine - Unter dem Dach der Gehölze verorten sich alle erforderlichen Ausstattungselemente: Sitzmöbel, Fahrradständer, Mülleimer und Stellplätze im Süden. Entsprechend dem Lindenhain des Lustgartens sind die Baumhaine entschleunigte Orte. Von hier aus wird das Treiben auf den offenen Platzflächen beobachtet. Die Gehölze selbst stehen in gusseisernen Baumscheiben, somit entsteht eine größtmögliche zusammenhängende Platzfläche.
Die Wechselvolumen sind die offenen Platzflächen - die Raumeinheiten zwischen den Baumhainen. Hier löst der Entwurf seine Versprechung ein, flexiblen und veränderbaren Raum zu generieren. Die Wechselvolumen sind als Freiraum analog zum Ausstellungsraum eines Museums oder einer Ausstellungshalle zu verstehen: faszinierend weiträumig in den Zwischenzeiten zweier Ausstellungen. Erhaben zurückhaltend während einer Ausstellung. Die sich andauernde Wandlung dieser Räume wird eine Erweiterung im Fächer öffentlicher Freiraume Berlins und gleichzeitig Kontinuität für diesen sehr besonderen Ort im Zentrum der Republik sein.
Das Spreeufer wird zugunsten eines möglichst großzügigen östlichen Schlossßpatzes in Form einer Freitreppe gestaltet, die auf halber Höhe mit einem Balkon endet. Von hier bestehen Blickbeziehungen bis weit in den Osten der Stadt. Aber auch das rege treiben auf der Spree wird von hier aus in Szene gesetzt. Von beiden Spreebrücken aus führen Stufenanlagen auf den uferbegleitenden Weg. Dieser erfährt auf Höhe der Freitreppe eine Aufweitung mit einer langen großzügigen Sitzstufe.
Die Gastronomieflächen sind im nordostlichen Bereich am Portal V und auf der Seite des Spreeufers.

Die Stellplätze für mobilitätseingeschränkte Besucherinnen werden oberirdisch unter dem süd-östlichen Baumhain verortet. Die Zufahrt zur Rampe zur Anlieferung im Untergeschoss wird gleichzeitig als Auffahrt zum Parkplatz genutzt. Erdnägel markieren die Stellplätze. Fahrradständer markieren und begrenzen den Parkplatz.
Beleuchtungskonzept: Großzügige Mastenleuchten flankieren die Baumhaine und bieten die Möglichkeit die offenen Platzflächen auch bei Veranstaltungen ausreichend zu beleuchten.
Material und Vegetation
Der Rahmen des Platzes materialisiert sich als gusseisernes perforiertes Band, das den Straßenraum vom Schlossplatz trennt. Es liegt bündig in der Fläche. Aus diesem Rahmen steigt zu besonderen Anlässen eine beleuchtete Wasser- oder Nebelwand, es entsteht eine wirkungsvolle temporäre Raumgrenze.
Das Humboldt-Forum ist umgeben von hochwertigem Terazzo. Dieser Terazzo zieht sich konsequent um das gesamte Humboldt-Forum und liegt scheinbar wie ein Tableau unter dem Gebäude. Der Terazzo trägt somit den gesamten Schlossplatz und damit alles was auf ihm geschieht. Quasi fugenlos bildet er eine im größten Maße richtungslose und zurückhaltende – aber hochwertige und ausdauernde Ausstellungsfläche für das hochgradig urbane Programm des Platzes.
In Materialeinheit mit dem gusseisernen Rahmen stehen die Gehölze der Baumhaine in gusseisernen kreisrunden Baumscheiben. Die Baumscheiben sind nahtlos in den Terazzo eingearbeitet, somit entsteht eine maximale tragfähige Platzfläche
Das Leitgehölz der Baumhaine ist die Linde. So entsteht nicht nur durch die Ausrichtung und die Prinzipien ihrer räumlichen Setzung, sondern auch durch die Architektur der Gehölze der Schulterschluss zum Bestand der nächsten Umgebung zum Schlossplatz. Um dieses Prinzip zu brechen und punktuell variierende Aspekte zuzulassen werden vereinzelt chinesische Wildbirnen gepflanzt, die den Hainen vor allem im Frühjahr und Herbst einen sehr besonderen Charme verleihen.

Fazit
Monetär: Durch die große Reduktion an Mitteln wird es möglich, den Entwurf weit unter der Budgetvorgabe zu realisieren. Das frei werdende Budget sollte in die Finanzierung der Wechselvolumen für die nächsten 5 Jahre investiert werden.

Ideell: Der Museumsinsel mit ihrem entstehenden Humboldt-Forum und seiner direkten Umgebung wird ein demokratischer und damit aus seiner Natur heraus wandlungsfähiger Raum gegeben. Es wird vorgeschlagen über ein Bürgerbeteiligungsverfahren einen Kuratoren zu ernennen, der die Flächen im Jahresturnus mit hochwertiger und kritischer Kunst bespielt. Das Unvorhersehbare wird zum Prinzip der Gestaltung des Schlossplatzes erkoren!

Räumlich: Der Veränderlichkeit der Ausstellungsräume wird ein sehr konsequentes und starres räumliches Grundgerüst entgegengesetzt. Dieses Grundgerüst wahrt die Form, unabhängig davon wie die Wechselvolumen bespielt werden.

Wechselvolumen á la Daniel Buren
Wechselvolumen blanco
Wechselvolumen á la Ai Wei Wei
Wechselvolumen á la Jeff Koons
Wechselvolumen á la Louise Bourgeois