Offener Wettbewerb zur Realisierung der zukünftigen Campus Landschaft in Herzogenaurach, Finalist
Team: Lavaland, Treibhaus Berlin/Hamburg, Argus Hamburg, Ingenieurgesellschaft Prof Sieker, Tracks and Trails Joscha Forstreuter

1_Statement
Dynamisch, sportlich, klar, zeitlos. So soll der Adidascampus zukünftig er- und belebt werden können.
Um diese Idee räumlich umzusetzen, werden die bestehenden Stärken des Campus mit seinem landschaftlichen Charakter durch ein leistungsfähiges und robustes Wegesystem ergänzt und gleichzeitig um anregende Angebote angereichert.
Das Entwurfskonzept Loops schlägt eine für sich stehende Wegestruktur vor, die atmosphärisch dynamisch ist und die bestehende und zukünftige Campuslandschaft strukturiert. Loops schafft neue Orte für verschiedene Ansprüche, organisiert die Mobilität auf dem Campus und ist flexibel adaptierbar für zukünftige Entwicklungen.

2_Die Grundpfeiler des Entwurfs
Das Entwurfskonzept fußt auf 4 grundsätzliche Anforderungen an den Ort:
Landschaft – Mobilität – Flexibilität - Sport!

2.1_Landschaft
Zwei Landschaftsatmosphären prägen den Campus: Common Grove und Open Fields. Im Nordwesten – abgeleitet aus dem hochwertigen Gehölzbestand - der „Common Grove“. Ein zukünftig aus markanten Großbäumen mit Lichtungen und Blickschneisen perforierter Hain. Im Süden die „Open Fields“: eine offene, teils topographisch bewegte Wiesenlandschaft mit Baumgruppen, als Bühne für die neuen markanten Gebäude sowie als offener Entwicklungsraum.

2.2_Mobilität
Adidas ist immer in Bewegung. Auf dem Campusgelände muss vielfältigen Mobilitätsansprüchen gedient werden. Fünf Bewegungsmuster prägen das Campusleben.
In&out – Wege zum Arbeitsplatz.
Lunch swarm – die große Wanderung zum Mittagessen.
Quick&comfortable – Bewegung auf dem Campus von einem Geschäftstermin zum nächsten.
Bread&Boxes – Die Logistik und der alltägliche Lieferverkehr mit Waren.
We make a move – Bewegung der Mitarbeiter als Sport und Freizeiterholung.

Für all diese Bewegungsmuster werden die optimalen Mobilitätsangebote durch Bereitstellung der entsprechenden Verkehrsmittel und Wegestrecken angeboten. Eine Mobilitäts-App zeigt den Mitarbeitern die optimalen Verbindungen und erleichtert die Orientierung.

2.3_Flexibilität
Die gesamte Campusstruktur ist einem ständigen Entwicklungsprozess unterlegen. Gebäude kommen und gehen, Zäune wandern. Der Entwurf gibt diesen Prozessen Raum: Demand driven Flexibility!
In einer ersten Phase kann das neue Wegenetz im Westen und Süden am Bestand andockend hergestellt werden. Hierfür sind vier Anknüpfungspunkte identifiziert. Dieses Vorgehen ermöglicht es im ersten Umsetzungsschritt auf den Erweiterungsflächen Qualitäten zu schaffen ohne die Qualität des bestehenden Campus zu beeinträchtigen. Nach und nach - und dadurch sehr behutsam- kann der heutige Bestandscampus an die sich durch das Wachstum ändernden Bedingungen angepasst werden.
Auch die Quantität intensiver Orte ist auf ein schrittweises und bedarfsabhängiges Wachstum ausgerichtet. Sukzessiv können in der ersten Phase gärtnerisch programmierte Flächen intensiviert, also mit Spiel-, Sport oder anderen Nutzungen versehen werden. Der Campus wird durch diesen Ausbau weiter aufgeräumt und gestalterisch stimmig empfunden werden.

2.4_Sport
Adidas ist Sport. Sport wird auf dem Campus allgegenwärtig sein. Die Sportanlagen müssen höchsten funktionalen Ansprüchen genügen und gleichzeitig als räumlich wirksame, ästhetische Objekte das Campusbild prägen. Die Adidas Family findet auf dem Campus optimale Trainingsmöglichkeiten vor und nach der Arbeit, gleichzeitig aber auch animierende Angebote für sportliche Arbeitspausen und Teambuilding. Sport wird auf drei Ebenen angeboten. Body, Balls und Wheels. „Body“ umfasst alle Sport- und freie Bewegungsarten im Raum wie z.B. Running, Training, Climbing, Stretching. „Ball“ bietet Ballsportangebote, die für Adidas und seine Submarken eine besondere Bedeutung haben: Fussball, Basketball, Tennis, Golf, Beachball... aber auch kleine Elemente wie Tischtennisplatten für das Match zwischendurch. Der Bereich „Wheels“ umfasst einen Flowtrail auf dem Campus, einen Pumptrack für Biker sowie eine Skatebowl für professionelle Ansprüche.

3_Entwurfsprinzipien / Design Guidelines
Das Wegenetz verbindet auf vielfältige Weise die Gebäude, verknüpft den Campus zu einem Ganzen und erzeugt eine klare Zonierung für unterschiedliche Freiraumangebote und Fortbewegungsmittel. Über seine Erschließungsfunktion hinaus werden durch Aufweitung der Wegeflächen zu einer organischen Netzstruktur neue Orte geschaffen, die vielfältige Anreize für unterschiedliche Aktivitäten anbieten. Wie selbstverständlich entstehen Flächen sowohl für Spiel- und Sportangebote, aber auch für ruhige Orte der Erholung ohne den Charakter der Campuslandschaft zu überformen.
Das Erschließungssystem innerhalb der Netzstruktur ist abgeleitet aus den Mobilitätsanforderungen auf dem Campus. Die Hauptloops dienen der schnellen Erschliessung, Nebenwege und Einfassungsstreifen bilden Verbindungen auf zweiter und dritter Ebene.
Dadurch wird ein optimaler Informations-, Güter- und Personenfluss ermöglicht.

Durch Auffächerung der Loops entstehen Orte. Dieses Prinzip schafft flexible Möglichkeiten an Flächengrößen und -Zuschnitten. Auf den Flächen entstehen konfektionierbare Angebote. Für die momentanen und mittelfristigen Anforderungen auf dem Campus schlagen wir konkret Arbeiträume im Freien vor: Sportflächen (siehe Kapitel „Sports“), Platzbereiche sowie Terrassen- und Outdoor-Arbeitsbereiche. (siehe auch Kapitel „4. Zoom in“)

An die Netzstruktur der Loops kann man zukünftige Anforderungen anpassen, neue Loops können ergänzt werden (z.B. für Phase 6) und Sekundär- und Terziärwege zur Komplettierung der Wegestruktur ergänzt werden. Auch Anforderungen an neue Orte können in der Gestaltsprache der Loops ergänzt werden.
Daraus entsteht eine robuste Gestaltungsvorgabe, die zukünftige Entwicklungen mittragen und mit der Zeit aus- und umgebaut werden kann.

3.1_Loops Wegenetz
Die neuen Wege legen sich wie ein Netz auf die vorgefundene Topografie. Je nach Mobilitätsanspruch variiert die Wegebreite. Sie schließen an einigen Stellen, insbesondere in Gebäudenähe an bestehende Wege an. Als Wegematerial wird eine kunstharzgebundene Wegedecke vorgeschlagen. Diese lässt sich sehr einfach als bewegte Oberfläche herstellen und bietet mit einer weich dämpfenden Eigenschaft hervorragenden Geh- und Laufkomfort. Die fugenlose Oberfläche ermöglicht allen Nutzern eine optimale Bewegungsoberfläche.
Infrastrukturen und ergänzende Angebote sind in das Wegenetz integriert. Die Kanten des Wegs können an definierten Bereichen zu Sitzbänken, Einfassungen und Begrenzungen transformiert werden. Auch der Locker room (Kleinarchitektur zur Umkleide) am Cage im Common Grove „wächst“ aus der Grundstruktur der Loops.

3.2_Raumbildung Gehölze
Die Raumbildung durch Gehölze folgt zwei Gestaltungsprinzipien, die jeweils den Charakter von Common Grove und Open Fields unterstützen.
Ausgehend von den bewahrten Bestandsgehölzen im Common Grove wird ein frei gesetzter Hain mit verdichteten Bereichen, Lichtungen und Sichtachsen vorgeschlagen.
In den Open Fields betont die freie Setzung markante Campuspunkte. Südlich von MEET&EAT und Office SOUTHEAST markiert eine freie Baumreihe die zukünftige Verbindung von Outlet und Parkhaus in Richtung Campuseingang.

3.3_ Raumbildung Vegetation
Green Floor - Die weiten Wiesen im Park sind großflächig als extensive Flächen vorgesehen.
Entlang der Wege befindet sich ein Streifen von intensiver gepflegtem Landschaftsrasen. Die Wege werden in bestimmten Abschnitten von (extensiven) Staudenflächen begleitet, die ganzjährige Blühaspekte (Frühjahr-Herbst), bzw. interessante Strukturen (Winter) bieten.

3.5_ Raumbildung Zaun
Die Zaunanlage wird im Bereich zwischen MEET&EAT und Office SOUTHEAST als sichtdurchlässiger, konfektionierter Zaun vorgeschlagen, der zwischen den beiden Gebäuden und der Landschaft vermittelt und ein repräsentatives Erscheinungsbild bietet.

3.6_ Licht
Der Campus erhält eine dynamische Beleuchtung, welche sich den Aktionen der Nutzer anpasst und diese abends sichtbar macht. Sensoren registrieren die Aktivitäten der Nutzer und steuern das Licht entsprechend der Nutzung. Nach Nutzung fährt die Beleuchtung auf ein der Sicherheit geschuldetes Mindestmaß zurück.
Das Lichtkonzept unterscheidet zwei Beleuchtungsarten für die unterschiedlichen Aktivitäten auf dem Campus:
Light Loops: Bewegungsmelder registrieren Aktivitäten auf den Wegeverbindungen und steuern das Licht entsprechend der Aktivität. Der Wegabschnitt vor dem Nutzer wird hell ausgeleuchtet, kurz hinter dem Nutzer wird das Licht wieder heruntergefahren. Bei intensiver Nutzung entsteht ein hohes Beleuchtungsniveau mit nur leichter Dynamik, bei geringer Nutzung ist sowohl die Bewegung selbst, als auch die Art der Bewegung und die Geschwindigkeit im Licht ablesbar. Die Wege erhalten eine dichte Folge von Lichtstelen mit warmweißen Licht, welche den Fluss der Bewegung und die Dynamik der Loops klar nachzeichnet. Die Nebenwege und Tracks eine weniger dichte Folge in farbigem Licht.
Light marks: Orte an denen Aktionen stattfinden (Sportfelder, Eventflächen, etc.) erhalten ein der dortigen Aktion entsprechendes Licht. Die eingesetzte Lichttechnik und Lichtfarbe wird auf die Aktivität des Ortes abgestimmt. Wird der Ort genutzt, fährt das Licht auf ein der Nutzung entsprechendes, vorgegebenes Beleuchtungsniveau hoch. Nach Nutzung dimmt die Leuchte zurück auf ein Mindestmaß.

4. Zoom In Orte
4.1_Common Grove – Go Green und Get Physical
Im westlichen neuen Bereich des Campus finden verschiedene Sport- und Aufenthaltsorte Platz. Neben dem Allround bietet sich die Einrichtung einer Mehrfachsportfläche auf einem Hartplatz an: Der „Cage“ wird von einem markanten Schutzrahmen gefasst. Eine Puttinganlage unter den bestehenden Kiefern und benachbart einen Beachvolleyballplatz „Beach“. Die Integration einer Kleinarchitektur als Lockerroom ist hier möglich.
Nördlich dieser Sportangebote beruhigen sich die Aktivitäten; Arbeitsplätze und Rückzugsorte werden um das Office WEST arrangiert.

4.2_Promenade
Der Aussenraum zwischen Spikes, Laces und Brandcenter ist baulich der dichteste Bereich des Campus. Hier sieht der Entwurf eine Abschnitt einer klaren Promenade vor, die alle Mobilitätsarten ermöglicht. Die Promenade fungiert als Verteiler. Von hier aus sollen auch Blicke auf die Gebäude, in die weiteren Bereiche des Campus, aber auch in die umgebene Landschaft ermöglicht, und so alle näheren und weiteren Elemente der Worls of Sports inszeniert werden.

4.3_ On the Rocks und Flowtrail
Die bestehende Kletteranlage wird in die Loopstruktur integriert und das Sportangebot um einen Boulderfelsen und eine Skatebowl ergänzt. Lockerrooms stehen im Parkhaus zur Verfügung

4.4_Center Court
Der Raum zwischen Office SOUTHEAST und MEET&EAT wird zum neuen Herzstück des Campus. Er verbindet Außen und Innen, ist Repräsentanz vor und hinter den Gebäudeeingängen, leistet Aufenthaltsqualitäten und leitet in die verschiedenen weiteren Bereiche des Campus. Die architekturseits vorgegebene Raumprogrammatik (Terrassen etc.) wird integriert.
Wasservariante: Optional wird für den Bereich Central Green die Anlage eines Sees vorgeschlagen.
Auf dem gesamten Campus gibt es einen definierten Bedarf des Regenwassermanagements.
An dem neuen Herzstück des Campus zwischen MEET&EAT und Office SOUTHEAST würde die Anlage eines Sees die qualitativen und ästhetischen Aspekte des Ortes ergänzen können. Aus Regenwassermanagement-Aspekten gibt es folgende Argumente, die für die Anlage eines Sees sprechen würden:
1) Kostenersparnis: Kurzfristig ist die Anlage eines Teichs/Sees günstiger als die Anlage einer unterirdischen Speicheranlage. Langfristig ist der See kosteneffizient, da Wasser oberirdisch zurück gehalten und ggf. verwendet und nicht teuer abgeleitet wird.
2) Positiv bei Starkregenereignissen als natürlicher Puffer.
3) Verbesserung des Mikroklimas.
Die endgültige Einplanung des Sees bedarf jedoch der erweiterten Kenntnis aller Rahmenbedingungen zum Regenwassermanagement und weiteren Hintergründe. Der See kann im vorliegenden Entwurfsvorschlag - ohne die Grundstruktur der Landschaftsarchitektur zu verändern -optional, und auch nachträglich eingebaut werden.

4.5_Welcome Plaza
Vor dem Office South-East entsteht ein neuer Vorplatz zur World of Sports. Hier kommt man zukünftig bei Adidas an. Daher entsteht an dieser Stelle ein Ort, der die Funktionen wie drop-off und Kurzzeitparken ermöglicht, und gleichzeitig durch seine Gestaltung auf das Ankommen ausgelegt. Dir Terziärloops gestalten 3 vegetative Staudenflächen aus, die dynamisch in den Campus verweisen.

4.6_For All
am Knotenpunkt der öffentlichen und internen World of Sports soll der Weg um kurzfristig nutzbare Sportangebote erweitert, die spielerisch/amateurhaft (Outlet-Publikum!) auf die Marke einstimmen.

5_Fazit
LOOP in or nothing!